Münster Marathon

Münster Marathon 2016 – und was ich daraus lerne

„Ein verpasster Sieg rechtfertigt nicht das Aufgeben“

…. so oder so ähnlich war einer der Sprüche beim diesjährigen Münster Marathon 2016.

Und so passend für diesen Marathon.

Aber von Anfang an…

Ich hatte mir aufgrund meiner fehlenden Motivation vorgenommen, das mindesten ein Ziel dieses Jahr noch erreicht werden muss. So hab ich mir gesagt, komm Fetti, den Münster Marathon in unter 4 Stunden, das wäre doch ein optimales Ziel. Schließlich hab ich Frankfurt letztes Jahr in 4:13 gefinished, da können 13,5 Minuten Verbesserung ja nicht so schwierig sein.

Also hab ich mir so Anfang April einen Trainingsplan bei Asics erstellt und habe mit dem Training begonnen. Asics sagte mir am Anfang unter 4:00 das wird nix. 4:07 das ist eine realistische Zeit. Na gut, nehme ich erstmal so hin. Ich streng mich einfach bisschen mehr an, dann werde ich dem Trainingsplan mal zeigen wer hier die Zeiten vorgibt.

Und meine Anstrengungen wurden belohnt. Nach etwas Training hat Asics eingesehen, hey der Bengel trainiert schneller, da passen wir die Zeit etwas an. Zielzeit nun 4:00:01. Na also. Dann beim Marathon noch eine Schüppe drauf legen und dann komm ich unter 4:00 rein.

Wie geil ist das denn???

Also habe ich artig weiter trainiert, wie der Plan es vorgegeben hat. Bis auf zwei Wochen Urlaub Norwegen habe ich auch jede Trainingseinheit mitgenommen. Nicht eine wurde ausgelassen. Habe Sonntags meine langen Läufe absolviert, Termine so gelegt damit ich meine Einheiten einhalte und bin sogar während einer Dienstreise mal um 05:30 Uhr aufgestanden um eine Lauf zu machen, weil ich erst spät Abends heim geflogen bin und dann hätte ich den Lauf nicht mehr gemacht.

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Lange Rede, kurzer Sinn. Ich habe es, durch einen konkreten Plan plus Zielsetzung, geschafft mich endlich wieder zu motivieren und auch dabei zu bleiben. Erkenntnis daraus. Wenn man sich ein Ziel setzt, läufst Du irgendwann auf Autopilot.

Dann ging es ratzfatz auch auf September zu und die letzten Trainingseinheiten wurden immer härter und auch die Motivation war nicht mehr soooo vorhanden. Wurde Zeit das der Marathon kommt. Denn ehrlich gesagt hatte ich keine Lust mehr.

Und dann war es Sonntag endlich soweit und wieder kamen die Zweifel. Hab ich genug trainiert? Schaffst Du die Zeit? Wie verpflegst Du Dich? Hält der Körper?

Um 05:30 Uhr bin ich aufgestanden und hab mich dann angezogen. Da gab es den ersten Aufreger. Was zieh ich an? Geplant war das ich mit Radtrikot laufe damit ich meine Gels mittransportieren kann. Aber als ich das an hatte, saß das Trikot nervig und sah auch noch scheisse aus. Also umplanen. Gut das meine Freundin noch so eine kleine Gurttasche hatte, so konnte ich 3 Gels in der Tasche transportieren und 2 hatte ich in meiner Handytasche. Also hatte ich meine Verpflegung untergebracht und konnte mit dem Material laufen, dass ich auch im Training verwendet habe. Soll man ja sowieso machen, deswegen auch hier die Erkenntnis: Nimm nur das Material mit, mit dem Du gut klar gekommen bist im Training. 

Dann sind wir nach Münster gefahren und ich war natürlich wie immer aufgeregt wie sonst was. Das macht sich dann auch bei meiner Verdauung bemerkbar. Aber gut das in Münster auf dem Schlossplatz Parkplatz ein recht ordentliches Klo ist. Da ging das. Und Dixies gab es auch genug.

Vor dem Lauf habe ich mich dann noch ordentlich verpflegt und habe mir zwei Müsliriegel einverleibt plus ein Gel. Die Kombination hat auch super geklappt, die Woche zuvor beim Warendorfer Emsseelauf, wo ich einen Halbmarathon absolviert habe. Für diejenigen die es interessiert, da hatte ich eine 1:57:08 Zeit. Also nix ändern was sich bewährt hat. Never change a running system.

Dann noch einmal pinkeln und ab in Startzone, wo ich mich beim 4:00 Stunden Brems- und Ziehläuferballon einsortiert habe. Meine Freundin war immer an meiner Seite und das war auch gut so, denn Sie hat mich immer wieder beruhigt. Das ist immer wichtig. Jemanden dabei haben, der Dich etwas ablenkt.

Und dann ging es los.

Der Start

Vom Start weg lief alles super. Ich musste mich am Anfang etwas vorkämpfen bis an den 4:00 Ballon, da der etwas aus der Sicht geraten war, aber das war kein Thema. Ich war recht schnell beim Ballon und konnte dann mein Tempo aufnehmen. Was erstaunlicherweise gut lief. Ab und an war ich etwas überrascht denn das Tempo ging schon recht zügig von statten, was bedeutet zwischenzeitlich waren wir so bei einer 5:15 Zeit was ich dann schon etwas schnell fand. Aber gut, hat sich eingependelt, war nach kurzer Zeit bei 5:35 und das war ja auch so mein geplantes Tempo.

Das Wetter war schön, der Körper hat mitgemacht und die Verpflegung lief. Da noch einmal ein Lob an die Orga. Wem bei diesem Marathon Verpflegung gefehlt hat, der hat echt was falsch gemacht. Alle 2,5 Kilometer gab es zu trinken und was zu futtern. Am Ende hatte ich gar keine Lust mehr was zu trinken, trotzdem habe ich immer brav getrunken. Bei den Temperaturen unabdingbar.

Und das war auch vielleicht einer der Fehler die ich gemacht habe…

Ich habe an jedem Stand was zu trinken mitgenommen und getrunken. Aufgrund der Temperaturen (30° Grad) war das ja auch nicht so verkehrt. Aber alles was rein kommt, muss ja auch irgendwann wieder raus. Und so war das bei mir ab Kilometer 19. Da musste ich, egal was passiert. Ich musste kurz aus dem Pulk raus. Und das war irgendwie der Anfang vom Ende. Kurz vor einem Brückenanstieg musste ich also kurz austreten und pinkeln und danach ging es diese Brücke hoch. Und dieser Anstieg fühlte sich für mich an wie der Hermannslauf. Das war echt übel und da hab ich dann schon gemerkt, dass irgendwas nicht mehr so war wie vorher.

Das was nicht so war hat sich dann bei Kilometer 20,5 bemerkbar gemacht. Meine Hüfte hat sich mal überlegt zu verkrampfen und das zog dann schick in meinen Oberschenkel. Das kann doch jetzt nicht wahr sein. Kurz vor dem Halbmarathon ein Krampf. Das sollte wohl ein schlechter Witz von meinem Körper sein. Mir blieb zu dem Zeitpunkt nichts anderes über als erst einmal ein paar Meter zu gehen. Bis zur Halbmarathon Zeitnahme. Und da motiviert es natürlich wirklich wenn ein kleiner Junge vom Rand zu Dir rüber ruft:“ PAPA GUCK MAL!!!! DER LÄÄUUUFFFTTT!!!!“ Kleine Kinder können so grausam sein. In dem Moment war ich echt angefressen. Blödes Blag! Sorry. Aber das war Mist!

Gut, dann habe ich halt nach der Zeitnahme wieder versucht in einen ordentlichen Tritt zu kommen. Den Ballon mit meiner Traumzeit habe ich zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr gesehen. Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf. Warum? Wieso heute? Das kann doch nicht wahr sein. Du hast soviel trainiert und dann sowas? Das ist nicht fair. Ich war den Tränen nah und wo ich das so niederschreibe, könnte ich auch heulen. Bin aber tapfer. Ihr braucht Euch keine Sorgen machen. 😉 Ich werde nicht heulen!

Tja, dann musste ich das Beste aus der ganzen Geschichte machen. Also bin ich ab und zu ein paar Meter gelaufen, solange mein Oberschenkel das zugelassen hat. Und als es nicht mehr ging, bin ich einfach gegangen. Denn Aufgeben ist keine Option. Egal wie sehr der Körper schmerzt, die Füße brennen, der Oberschenkel krampft. Das Ziel ist bei 42,195 Kilometer. Da gibt es kein vorheriges Aufgeben. Auch ein sehr cooler Spruch, den ich unterwegs gelesen habe.

„Ein Brief gibt man auf, ein Rennen nicht“

Und dann bei Kilometer 23 ist mir was Unglaubliches passiert. Ich bin wieder so am gehen gewesen, da kam auf einmal jemand von hinten an und sagt so zu mir:“ So ich nehm Dich jetzt mit. Ich lauf hier eine ganz entspannte 6:30 Muttizeit und Du kommst jetzt mit. Wir laufen das Ding jetzt zusammen“. Tanja, eine Staffelläuferin hat sich mir angenommen und mich mit aufmunternden Worten angepeitscht. Durch Ihre Motivation bin ich mit Ihr dann wirklich noch einmal 8 Kilometer gelaufen. Und ich hatte keine Chance aufzugeben. Das hat Tanja mit Ihrer bestimmenden, aber echt super netten Art klar zu verstehen gegeben. Sie hat mich bis zur Wechselzone für die Staffelläufer mitgezogen und dann an einen anderen Läufer, den ich auch kannte abgegeben. Ich glaube sowas gibt es nicht oft unter Sportlern und wenn Du das irgendwann mal lesen solltest Tanja, vielen Dank für’s mitziehen!

So war ich dann bei Hermann, der mich auch mit ermunternden Worten mitgezogen hat. Auch Dir Hermann, vielen Dank dafür. Aber nach 1-2 Kilometern war das bei mir dann wieder vorbei. Ich musste Hermann ziehen lassen und musste erst einmal wieder etwas gehen.

So hat sich das auf die letzten 10 Kilometer abgewechselt. Gehen – Laufen – Gehen – Laufen. Großartig ist beim Münster Marathon das fast überall Menschen stehen und die geben einem immer wieder Kraft. Kraft indem Sie dich anfeuern, Dich mit Getränken versorgen oder mit Gartenschläuchen für eine Erfrischung sorgen. So ist die Strecke nur halb so beschwerlich.

Und irgendwann kamen dann die letzten 3 Kilometer. Die bin ich dann noch gelaufen. Mehr schlecht als recht, aber gehend wollte ich nicht durchs Ziel laufen. Die Blöße wollte ich mir nicht geben. Also die restliche Energie gesammelt und ab dafür. Kurz vor dem Ziel war dann meine Freundin und Familie und da hätte ich heulen können. Nur noch 300 Meter, dann ist das Ding durch. Dann bin ich 42195 Meter gelaufen, dann habe ich alles durchlebt. Von Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Trauer, Krämpfen, Runners High und der Erfahrung das man alles schafft, wenn man den Willen hat nicht aufzugeben. 150 Meter. 50 Meter. Zieleinlauf!

Ich habe es geschafft! Ich bin wieder einen Marathon gelaufen! In 4:41:34. Nicht ganz das Ziel das ich mir gesetzt habe, aber ich habe es geschafft.

So kann ich sagen, zufrieden bin ich nicht aber der Stolz bewiesen zu haben, das alles geht wen man will, der wird bleiben!

Jetzt werde ich aber erst einmal die Beine hochlegen, regenerieren und ab nächster Woche wieder leichte Läufe in Angriff nehmen, ganz entspannt und dann langsam in die Offseason verschwinden um dann für die nächste Saison fit zu werden. Und die…. die wird es in sich haben….

7 Gedanken zu „Münster Marathon 2016 – und was ich daraus lerne

  1. Tanja

    Hallo „Tobi“,
    Meinen Glückwunsch!!! Du hast es geschafft! Das zählt….und beim nächsten Mal, wenn’s dir gut geht nimmst du einen Läufer mit.
    Tanja

    Antworten
    1. Tobias Beitragsautor

      Hallo Tanja 😀
      das ging ja schnell, dass Du das hier liest.
      Hätte auch nicht gedacht das jemand aus Warendorf sich meiner annimmt. Vielen, vielen Dank noch einmal und versprochen, beim nächsten Rennen werde ich jemanden mitnehmen 🙂
      Tobi

      Antworten
      1. Tanja

        Im Übrigen war es Kilometer 23, an dem ich dich aufgesammelt habe und bei 31 hab ich dich an Hermann-Josef übergeben. Das Gute daran war, ich durfte auch nicht aufgeben! Also auch Danke zurück.

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  2. Schwager

    Wie schon der gute alte Philosoph Bernd Stromberg seiner Zeit sagte: „Der Weg ist das Ziel, der Koffer ist die Reise!“ In diesem Sinne Respekt und Hut ab vor 42,195km Willenskraft.

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  3. Yvonne Hortmann

    Ich bin sooo stolz auf dich mein Großer Bruder. Wenn du nicht heulst ich mache das für dich ☺️

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